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Ein ungewöhnliches Festival mit einer ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte

Liebe auf den ersten Blick war wohl der Auslöser für die Gründung von »Fürstensaal Classix«. Gemeint ist die spontane Begeisterung des Münchener Pianisten Oliver Triendl für den Fürstensaal in der Kemptener Residenz, als er dort, zusammen mit dem Kemptener Konzertorganisator Dr. Franz Tröger, einen Konzertflügel begutachtete. Beim anschließenden Rostbratenessen wurden sogleich Nägel mit Köpfen gemacht. Das war im Juni 2006. Bereits im September desselben Jahres fand das 1. Internationale Festival der Kammermusik in der Kemptener Residenz unter dem Namen »Fürstensaal Classix« statt, angezettelt von zwei Kammermusikbesessenen und umgesetzt mit vielseitiger Unterstützung von einer Reihe »infizierter« Helfer.

Dass damals in der Organisation sehr viel improvisiert werden musste versteht sich angesichts der regelrechten »Hauruck-Aktion« von selbst. Größere Pannen gab es dennoch nicht und im Lauf der Jahre hat sich das überwiegend ehrenamtlich engagierte Organisationsteam – Mitglieder der Familie Tröger und des als Veranstalter fungierenden, flugs gegründeten Vereins »Freundeskreis Fürstensaalkonzerte e.V.« – ganz gut strukturiert und professionalisiert. Die Aufgaben sind klar verteilt: Oliver Triendl ist zuständig für Repertoire und Künstler, das kleine Team um Dr. Franz Tröger für Organisation, Finanzen und was sonst so anfällt.

Im Jahr 2015, pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum, bekam das Festival einen neuen Namen: Weil es schon seit einigen Jahren nicht mehr im Fürstensaal der Kemptener Residenz sondern im schön restaurierten Stadttheater stattfindet, wurde aus »Fürstensaal Classix« nunmehr »CLASSIX Kempten«. Entsprechend wurde auch der Trägerverein in »Freundeskreis Classix-Konzerte e.V.« umbenannt.

Ein Festival mit Wachstumspotential in allen Richtungen

Ursprünglich gestartet mit vier Konzerten, waren diese bereits im zweiten Jahr auf fünf angewachsen; 2007 wurde die Tradition eines »Composer-in-Residence« inklusive eines öffentlichen Komponistengesprächs eingeführt, in den letzten Jahren wurde dem ein oder anderen Konzert noch ein Prolog vorangestellt und 2012 wird es für das jährliche Sponsorenkonzert erstmals auch für Interessierte »Schnupper-Karten« zum kleinen Preis geben. Die »Wachstumskurve« ist hier kaum zu übersehen. Gleiches gilt für die Aufmerksamkeit in Fachkreisen: Seit 2007 wird eine zunehmende Anzahl der Konzerte als Live-Übertragungen oder Aufzeichnungen von BR-Klassik und Deutschlandradio Kultur gesendet und auch Fachmedien im Printbereich, unter anderem »ensemble«, berichten so kontinuierlich wie ausführlich über die Festivals.

Besonders erfreulich ist, dass sich die anfängliche Skepsis des Publikums angesichts der vielen unbekannten Werke bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen, verstärkt in Neugierde und »Abenteuerlust« gewandelt hat. »Ein Vertrauensbeweis, der Mut macht«, sind sich die beiden Festival-Drahtzieher über die Marschrichtung einig.

Gut Ding’ braucht allerdings gelegentlich auch Weile, wie die Besucherkurve der schon seit 2006 angebotenen, kostenlosen öffentlichen Proben zeigt. Ob es mit der Allgäuer Einstellung zu tun hat: »Was nix koscht, isch nix«? Jedenfalls haben sich zahlreiche Musikinteressierte im Lauf der Jahre eines Besseren belehren lassen und die in den Proben anfangs peinlich dürftigen Zuhörerzahlen erfreulich ansteigen lassen.

Spaß trotz harter Arbeit

Die hochprofessionelle Musikerelite, die jedes Jahr in wechselnder Zusammensetzung nach Kempten kommt, hat die familiäre Atmosphäre von Anfang an sehr genossen. Ist es doch auch für sie eine willkommene Abwechslung im heutzutage durchorganisierten Konzertgeschehen. So sitzen in probenfreien Zeiten durchaus gefeierte Musikerinnen und Musiker in der Küche des Konzertorganisators und kleben ihre Notenblätter nach individuellem Bedarf zusammen, während sie sich von der Dame des Hauses mit Selbstgebackenem und Kaffee verwöhnen lassen. Aber auch die an einigen Abenden der Festivalwoche inzwischen legendären privaten Essenseinladungen von lokalen Gönnern haben sich unter den Musikern herumgesprochen, so dass auch »Classix-Neulinge« schon mit Vorfreude auf die lukullischen Genüsse nach Kempten reisen – Ausgleich für die anstrengende, tägliche Proben- und Bühnenarbeit.

Viel Zeit für touristische Exkursionen bleibt zwar in der Regel nicht. Dennoch haben viele der dabei Gewesenen, von 2006 bis 2011 insgesamt 88 Musikerinnen und Musiker – einige davon mehrfach – sowie fünf »Composer-in-Residence«, von Stadtführungen, Besuchen in Schloss Neuschwanstein, im Klettergarten oder einer Radtour nach Oberstdorf sowohl die Stadt Kempten als auch die Region kennen- und lieben gelernt.

Bei allem Spaß – die Festivalwoche bedeutet vor allem harte Arbeit, in der oftmals bislang unbekannte Stücke erarbeitet und in Zusammenklang mit – abgesehen vom Hörensagen oder von CDs – nicht selten bislang ebenso unbekannten Kollegen gebracht werden müssen. Und am Ende ist es genau diese Mischung aus herausfordernder Arbeit, familiärer Atmosphäre, gegenseitigem Kennenlernen und Spaß am Miteinander, die das Kemptener Festival für Musiker, Unterstützer und das Publikum der öffentlichen Proben mit ansprechbaren Musikern ohne Berührungsängste sowie der Konzerte mit Verve zu einem mehr als rein musikalischen Erlebnis macht.

Ein Festival mit vielen Qualitäten

Nicht zuletzt überzeugen die »Classix« aber durch ihr mit ausgefallenen Raritäten gespicktes Programm, ihre unaufgeregt hochkarätigen Besetzungen und entsprechend hohe musikalische Qualität.

Für Stefan Lang, Produzent von Deutschlandradio Kultur und mehrfach Festivalgast, war zum Beispiel 2011 »wieder beeindruckend, nein, es war ganz einfach faszinierend, nicht aus Berlin, Hamburg oder München ein derart umwerfendes Angebot zu bekommen. Dieses Festival kann ganz klar mit den anderen Hochglanz-Aktivitäten in Sachen Kammermusik mithalten. Ich hoffe, dass wir noch oft nach Kempten kommen können, um dieses Angebot auch deutschlandweit zu verbreiten«.

Ein großer Dank gebührt den treuen, dem Festival gewogenen Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen, die es ermöglicht haben, dass sich »Fürstensaal Classix« bzw. »CLASSIX Kempten« von Jahr zu Jahr weiter entwickeln konnte und kann.

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