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Solistenensemble mit Esther Hoppe und Linus Roth (Violine), Daniel Eklund (Viola), Daniel Tengberg (Violoncello), Joel Larsson (Kontrabass), Thomas Gansch (Trompete) Ib Hausmann (Klarinette), Philipp Tutzer (Fagott), Ariane Haering (Klavier)

Camille Saint-Saëns (1835-1921)
– Septett für Trompete, Streichquintett und Klavier, op. 65 (1879/80)
Préambule – Menuet – Intermède – Gavotte et Final

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
– Klarinettenquintett in A-Dur, KV 581 (1789)
Allegro – Larghetto – Menuetto – Allegretto con variazioni

Jean Françaix (1912-1997)
– Divertissement für Fagott und fünf Streicher (1942/1968)
Vivace – Lento – Vivo assai – Allegro

Thomas Gansch (*1975)
– Quartett für Trompete, Violine, Klarinette und Klavier

Bohuslav Martinů (1890-1959)
– La Revue de Cuisine für Klarinette, Fagott, Trompete, Violine, Violoncello und Klavier (1927)
Prolog: Marsch. Allegretto – Tango. Lento – Tempo di Charleston – Finale: Tempo di Marcia. Allegretto

 

Es ist angerichtet! Die musikalische Tafel ist köstlich gedeckt mit Musik, die sich selbst nicht so ernst nimmt. Stücke aus Frankreich sorgen für kulinarischen Hörgenuss, für Charme und Esprit, Swing und feine Ironie. Der Jazztrompeter mit klassischem Hintergrund, Thomas Gansch, steuert ein eigenes Stück bei, auf das man gespannt sein darf. Und im Zentrum steht ein Gipfel klassischer Kammermusik, Mozarts Klarinettenquintett. Treten Sie ein und genießen Sie die Vielfalt der Klänge, interpretiert von einem hochkarätigen Ensemble!

Camille Saint-Saëns: Septett für Trompete, Streichquintett und Klavier, op. 65
Camille Saint-Saëns war Frankreichs großer Klassizist mit romantischen Gefühlen, die sich gerne ironisch gefärbt äußerten. Ein Paradebeispiel dafür ist das für die Pariser Trmpetengesellschaft entstandene Septett. Der Komponist spielte gerne mit alten Formen, die er unversehens mit neuer Ästhetik kontrastierte. In diesem Fall ergibt dies eine neobarocke Suite, in der sich der Meister des »Karnevals der Tiere” allerdings als einer des »Karnevals der Stile” entpuppt, um Kurt Böhmer zu zitieren. Das pointierte Stück beginnt in der Art einer barocken Ouvertüre mit einem pompösen Unisono, auf welches eine Trompetenfanfare mit virtuosem Klavier-Rankenwerk folgt und schließlich eine strenge Fuge, deren barocke Motorik nicht ganz ernst zu nehmen ist. Das folgende Menuett in der Art lullys überrascht mit einem eleganten Trio, welches wie eine sanft parodistische Verbeugung vor Schumann wirkt. Romantisch, ja schwelgerisch kommt das Zwischenspiel (Intermède) daher, zu dem alle Instrumente das Ihre beisteuern, ehe der Bolero-Rhythmus zu einem ekstatischen Ausbruch führt. Die Gavotte bringt ein pianistisches Feuerwerk und erinnert mehr an einen Offenbach-Galopp als an das barocke Vorbild. Das vergnügliche Pasticcio wird im Finale mit einer akedemischen, sehr »deutschen” Fuge voll spöttischem Augenzwinkern gekrönt.

Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenquintett in A-Dur, KV 581
Wolfgang Amadé Mozart liebte die Klarinette, ein damals relativ neues Instrument, ganz besonders. Dazu kam noch die Freundschaft mit Anton Stadler (1753 – 1812), dem aus Niederösterreich stammenden führenden Klarinetten-Virtuosen der Zeit, der auch maßgeblich an der Weiterentwicklung des Instruments mitgewirkt hat. Für ihn ist nicht nur das berühmte Solokonzert aus Mozarts letztem Lebensjahr, sondern auch zwei Jahre zuvor das Quintett in A-Dur entstanden.
Die Uraufführung des mitunter »Stadler-Quintett« genannten Stücks fand am 22. Dezember 1789 in Wien statt. Stadler spielte dabei die Bassettklarinette, seine Partner waren Hofmusiker; das Autograph dieser Urfassung ist verschollen. Stadler war einer von Mozarts Freimauer-Logenbrüdern und eine zwiespältige Persönlichkeit. Er tat sich schwer mit dem Rückzahlen von Schulden, was im Falle Mozarts verbürgt ist. Angeblich verpfändete er nach dem Tod des Freundes dessen Noten.
Auf jeden Fall war er ein begnadeter Virtuose, wie nicht nur die Wertschätzung durch Mozart, sondern auch folgende Huldigung eines Kritikers von 1785 beweist: »Hat doch dein Instrument einen Ton so weich, so lieblich, dass ihm niemand widerstehen kann, der ein Herz hat.« Über den vier meisterlich geformten und von unaufhörlicher melodischer Inspiration durchpulsten Sätzen des Quintetts liegt fein gesponnener Klangzauber. Das ungemein subtil eingesetzte Blasinstrument und das fast nie nur begleitend, sondern stets dialogisierend eingesetzte Streichquartett ergeben Farbmischungen von geradezu impressionistischem Reiz. Sogar wenn wie im eröffnenden Sonatensatz die Klarinette im 2. Thema führt, entwickeln die Streicher neue, duftig den Hintergrund ausmalende Begleitfiguren. Im Larghetto spannt Mozart weite Melodiebögen der Klarinette über die mit Ausnahme des Cellos gedämpften Streicher. Das Menuett hat gleich zwei Trios: eines im schwermütigen a-Moll für das Streichquartett allein und ein beschwingt ländlerisches für alle fünf Instrumente. Die Final-Variationen sind ein grandioses Beispiel für Mozarts einzigartige Verbindung von höchster Kunst und natürlicher Schlichtheit.

Jean Françaix: Divertissement für Fagott und fünf Streicher
Jean Françaix, der exquisite französische Klassizist in der Nachfolge von Saint-Saëns, hat eine Fülle dankbarer Stücke für alle erdenklichen Besetzungen hinterlassen. Werke, die allesamt vor hellwachem Geist und Lust am Spiel nur so sprühen. Françaix war um formale Gestaltung nie verlegen, wesentlich für ihn war aber die Inspiration in durchaus romantischem Sinne. So schrieb er gegen Ende seines Lebens: »Doch will ich ehrlich sein: Beim Komponieren sind die schönsten Theorien das allerletzte, woran ich denke. In erster Linie sind es nicht die ‚gedanklichen Autobahnen‘, denen mein Interesse gilt, sondern die ‚Waldwege‘.« Er wünschte sich »Musik, die Freude macht«, verband sehr komplexe Rhythmik mit relativ einfacher Harmonik und setzte avantgardistische Mittel nur dosiert ein. Im Grunde blieb er einer phantasievoll gehandhabten, von sprichwörtlich gallischem Witz durchtränkten Tonalität immer treu. Eleganz, Charme und sensible, stets ein wenig distanzierte Poesie kennzeichnen seine musikalische Sprache. Das Divertissement nimmt ganz bewusst die klassischen Formen des Divertimentos, der unterhaltsamen Abendmusik, auf und verbindet sie mit virtuoser Brillanz. Das Stück spiegelt keineswegs die schlimme Zeit der deutschen Besatzung von 1942, in der es entstanden ist – es ging dem Komponisten eher um eine Beschwörung von positiven Gegenbildern. Anlässlich einer Revision widmete er das Werk 1968 dem berühmten britischen Fagottisten William Waterhouse. Eine markige Eröffnung, ein »singendes« Adagio, ein quirliges Scherzo und ein effektvolles Finale »en miniature« sorgen für Unterhaltung auf höchstem Niveau – denn, so Françaix, »vorsätzlich falsche Noten und Langeweile« sind »zu meiden wie die Pest«.

Thomas Gansch: Quartett für Trompete, Violine, Klarinette und Klavier
Thomas Gansch, 1975 in St Pölten geboren, wuchs in Melk an der Donau auf, wo er bei seinem Vater Johann Gansch Trompete lernte. Mit 15 Jahren ging er nach Wien, um an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst das Konzertfach Trompete zu studieren. Während dieses Studiums gründete er 1992 gemeinsam mit Studienkollegen die Gruppe Mnozil Brass. Nach sechs Jahren Klassik entschloss Gansch sich 1997, das Studium zu beenden und wandte sich seiner großen Liebe, dem Jazz, zu.Von 1998 bis 2006 spielte er im legendären Vienna Art Orchestra, das er noch heute als seine »wahre« Studienzeit bezeichnet.
Neben zahllosen Auftritten mit Musikern aus der ganzen Welt in knapp 50 Ländern, komponiert er neben Stücken für Mnozil Brass auch für verschiedenste andere Besetzungen zwischen Klassik, Jazz und Song. Thomas Gansch ist nicht nur einer der vielseitigsten Trompeter seiner Generation, sondern auch ein Entertainer durch und durch, der zwar immer den Schalk im Nacken trägt, dabei jedoch niemals die Musik aus den Augen verliert. Und ein Komponist, der immer wieder für Überraschungen sorgt, weil es für ihn keine stilistischen Grenzen gibt – sein brillantes und witziges Quartett für Trompete, Violine, Klarinette und Klavier passt also hervorragend in dieses Programm.

Bohuslav Martinů: La Revue de Cuisine für Klarinette, Fagott, Trompete, Violine, Violoncello und Klavier
Bohuslav Martinů, der sich selbst im Scherz als »höchstgeborener Komponist der Musikgeschichte« bezeichnete, wohnte die ersten elf Jahre seines Lebens als Sohn eines Türmers auf dem Kirchturm des ostböhmischen Städtchens Polička und war zunächst ein Geigen-Wunderkind, ehe er 1923 nach Paris ging, um seine Kompositionsstudien zu vervollkommnen. Zum Lebensmittelpunkt wurden Frankreich, später die USA und die Schweiz. Seine Heimat sah er nach dem Krieg nicht wieder, da er das kommunistische Regime ebenso aus tiefster Seele ablehnte wie den Faschismus. Martinůs reiches Oeuvre von der Kammermusik bis zu großen Opern spiegelt die Vielfalt seiner Zeit und seines Lebens. Seine originelle musikalische Sprache, welche die von der Folklore bestimmte Tradition Böhmens mit impressionistischen, klassizistischen, jazzigen und avantgardistischen Einflüssen kunstvoll verbindet, ist immer tonal gebunden und melodiös.
Das einaktige Ballett »La Revue de Cuisine« (Küchenrevue) wurde im November 1927 in Prag uraufgeführt, die vierteilige Suite daraus 1930 in Paris. Seitdem gehört das vergnügliche Stück mit seiner pfiffigen Tango-Parodie auf Ravels »Bolero« und seinem unwiderstehlichen Charleston zu den »Schlagern« in der Klassik der Moderne. Doch was geschieht in der Küche? Topf und Deckel wollen heiraten, aber der Topf flirtet allzu heftig mit dem Rahmschläger, worauf der Putzlappen den Deckel trösten will. Der ordnungsliebende Besen setzt sich nicht wirklich durch. Es entsteht eine hurtige Schlägerei, die aber nach einem menschlichen Eingriff (eigentlich einem Fußtritt) zur Wiedervereinigung von Topf und Deckel und zu einem Freudentanz von Rahmschläger und Lappen führt.

Gottfried Franz Kasparek


Esther Hoppe, Violine

Die Schweizer Geigerin Esther Hoppe hat sich über die Jahre als Solistin, Kammermusikerin und als Pädagogin international einen Namen gemacht. Nach Studien in Basel, Philadelphia (Curtis Institute of Music), London und Zürich gewann sie 2002 den 1. Preis beim Internationalen…

Linus Roth, Violine

Nachdem der aus Ravensburg stammende Geiger Linus Roth bereits 2006 zum ECHO-Nachwuchskünstler gekürt wurde, erhielt er 2017 seine zweite ECHO-Auszeichnung für die Einspielung der Violinkonzerte von Schostakowitsch und Tschaikowsky mit dem London Symphony Orchestra unter Thomas Sanderling. Linus Roth hat…

Daniel Eklund, Viola

Daniel Eklund wurde geboren und ist aufgewachsen in Lund in Schweden. Mit dem Spiel auf der Viola begann er im Alter von fünf Jahren. Später studierte er bei Lars-Anders Tomter an der Königlichen Musikakademie in Stockholm. Er ist seit 2013…

Daniel Tengberg, Violoncello

Daniel Tengberg, born in Vargön, Sweden, started to play cello at age 3. 2009 he was accepted to Edsberg manor in Stockholm where he studied with prof. Torleif Thedéen. He graduated in 2014 with a master’s degree and was immediately…

Joel Larsson, Kontrabass

Der schwedische Kontrabassist Joel Larsson studiert in Göteborg, Zürich und Tromsö. Er war in vilen der führenden Orchester Schwedesn engagiert, so in der Camerata Nordico, in Göteburg und an der Königlichen Oper in Stockholm. Seit 2014 ist er Solo-Kontrabassist im…

Thomas Gansch, Trompete

Thomas Gansch, 1975 in St Pölten geboren, wuchs in Melk an der Donau auf, wo er bei seinem Vater Johann Gansch Trompete lernte. Mit 15 Jahren ging er nach Wien, um an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst das…

Ariane Haering, Klavier

Die 1976 in Le Locle in der Schweiz geborene, in Salzburg lebende Pianistin studierte in ihrer Heimat und schloss 1992 mit Auszeichnung ab, danach besuchte sie Meisterklassen in den USA und in Lausanne. Sie gewann eine ganze Reihe wichtiger Preise,…

Philipp Tutzer, Fagott

Philipp Tutzer wird in Bozen geboren und lernt am dortigen Konservatorium »Claudio Monteverdi« von Claudio Alberti das Fagott zu spielen. Er studiert weiters an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Stepan Turnovsky und an der Hochschule für…

Ib Hausmann, Klarinette

Ib Hausmann ist begeisterter Interpret klassischer und zeitgenössischer Musik. Zu seinen musikalischen Freunden gehören Iris und Lukas Hagen – gemeinsam gründeten sie das Ensemble Serapion – und Dénes Várjon, Alexander Lonquich, Aleksandar Madžar, Clemens und Veronika Hagen, Daniel Hope und…

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