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The Nina von Maltzahn Global Touring Initiative of the Curtis Institute of Music
Das berühmte Curtis Institute of Music (Philadelphia) auf seiner traditionellen Tour in Europa

Dennis Chmelensky Bariton
Pamela Frank Violine
Chase Park Violoncello
Mikael Eliasen Klavier

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
– Farewell Thou Noisy Town aus Welsh Songs, WoO 155
– Wer solche Buema afipackt aus Songs of Various Nationalities, WoO 158a
– The kiss, dear maid, thy lip has left aus Irish Songs, WoO 153
– What Shall I do to shew how much I love her? aus Irish Songs, WoO 152

Maurice Ravel (1875-1937)
– Sonate für Violine und Violoncello

Franz Schubert (1797-1828)
– Willkommen und Abschied D 767
– Der Wanderer D 649
– An Emma D 113
– Auf der Bruck D 853

Ned Rorem (* 1923)
– Aftermath für Bariton und Klaviertrio

 

Musik spricht für sich

Johann Gottfried Herders Standardwerk »Stimmen der Völker in Liedern« (erschienen 1807) öffnete den Blick auf Volksmusik weit über den deutschen Sprachraum hinaus. Doch schon Joseph Haydn hatte im Auftrag des Edinburgher Sammlers George Thomson zwischen 1791 und 1804 mehr als 400 Lieder aus Schottland, Wales und Irland für den britischen Markt arrangiert. Thomson wollte durch Bearbeitungen für die damals im häuslichen Musizieren sehr beliebte Klaviertriobesetzung dem britischen Bürgertum Einblick in die »ursprüngliche« Musik des Inselreichs bieten. Diese Bearbeitungen bestellte er bei berühmten »kontinentalen« Komponisten wie Haydn, Carl Maria von Weber und Beethoven. Insgesamt sind nicht weniger als 150 Liedbearbeitungen Beethovens von britischen Liedern überliefert. Im September 1809 hatte ihm Thomson 43 Melodien geschickt und ausdrücklich um leichte Ausführbarkeit des Klavierparts gebeten – was der Arrangeur nicht wirklich erfüllte. Beethoven bemerkte dazu in einem Brief, dass dies eine Arbeit sei, die einem Künstler keinen Spaß mache, die aber wohl gut für das Geschäft sei. Er erhielt zunächst drei Dukaten pro Bearbeitung, später dann vier bzw. fünf. Außerdem bat er für die Zukunft um Zusendung der Texte; eine Bitte, die von Thomson nicht erfüllt werden konnte. Bei den veröffentlichten Texten handelt es sich nämlich großteils nicht um originale Volkspoesie, denn Thomson bestellte für die fertigen Bearbeitungen bei bekannten Autoren neue Verse. Dass die Dichter der britischen Romantik zwar kunstvoll, aber doch »im Volkston« schrieben, kam der Atmosphäre der Lieder und ihrer Verbreitung freilich zu Gute. Mit der Zeit scheint Beethoven Spaß an der Sache gefunden zu haben, denn seine Arrangements verraten ein gewisses Einfühlungsvermögen in den großen Zauber keltischer Volksweisen mit ihrer wundersam spröden Schwermut und melodischen Schönheit. Doch nicht nur die Volksmusik Großbritanniens interessierte ihn offenbar immer mehr. Insgesamt liegen nicht weniger als 123 weitere Lieder aus ganz Europa in Bearbeitungen Beethovens vor, mit Texten aus dem Volk, aber auch solchen von mehr als 70 Autorinnen und Autoren. Eine besondere Kuriosität voll herzerwärmender Fröhlichkeit und lustvoller, alles andere als »politisch korrekter« Derbheit stellen die »Tyroler Lieder« dar. Das diesmal gewählte beruht auf einem Text Schikaneders, des Librettisten von Mozarts »Zauberflöte«, dem aus Bayern stammenden Theatermagier in Wien um 1800. Es hatte ursprünglich im Singspiel »Der Tyroler Wastl« von Jakob Haibel Verwendung gefunden.

Maurice Ravels Sonate für Violine und Cello ist dem Andenken Claude Debussys gewidmet. Sie gilt als eines der bedeutendsten Stücke für diese Besetzung. Ravel schrieb zunächst 1920 den ersten Satz für eine Pariser Musikzeitschrift, die bei etlichen Komponisten Hommagen an den 1918 verstorbenen Debussy in Auftrag gegeben hatte. Zwei Jahre später vervollständigte Ravel die Sonate. Im Kopfsatz dominieren Kanons und stete, lustvoll mit Bitonalität experimentierende Wechsel zwischen Dur und Moll. Das hurtige Scherzo (Très vif) reizt die Möglichkeiten der beiden Instrumente mit heftigen Pizzicati und flirrenden Oberton-Sphärenklängen aus. Der dritte Satz beginnt mit einer Soloklage des Cellos, steigert sich ins Expressive und klingt harmonisch aus. Das Finale knüpft an das Scherzo an und wird von tänzerischen Rhythmen bestimmt. Die Uraufführung stieß wegen der Modernität der Textur auf Unverständnis. Ravel bezeichnete das Stück als »Maschine für zwei Instrumente«, die Geigerin der Uraufführung, Hélène Jourdan-Morhange, meinte dazu: »Das Duo, von geradezu abstoßender Wirkung bei der ersten Begegnung, verbirgt Schätze, aber es behandelt die Violine sehr hart.« Und dies von einem Tondichter, dessen Credo war: »Musik, darauf bestehe ich, muss vor allem schön sein!«

Franz Schuberts Goethe-Lied »Willkommen und Abschied« ist eine für ihn eigentlich wenig typische, stürmisch drängende Romanze mit effektvoll opernhaftem Schluss. Goethes Text war 1771 in Straßburg entstanden, die so sehr Erwartete war des Dichters Jugendliebe Friederike Brion. Dagegen ist »Der Wanderer« eines der vielen Lieder, in denen der wohl größte Meister des deutschen Lieds ein Grundmotiv der Romantik, das Wandern, den Blick in den Spiegel der Natur und die Einsamkeit des Individuums, in berührender Innigkeit besingt. Für Dietrich Fischer-Dieskau war dieser eher selten zu hörende Gesang »ein Wunder an Konzentration und Beschränkung«, in dem sich die Musik »entrückt und gewichtslos bewegt, jeder Mühe spottend.« Ein Werk des erst 17-Jährigen ist »An Emma« nach Schiller, ein trauervolles Lied verlorener Liebe, das Schubert in gleich drei Varianten und sozusagen mit einem leisen Lächeln in Töne gesetzt hat. »Auf der Bruck«, die Vertonung eines Reiterlieds des wie Schubert früh verstorbenen, hochbegabten Lyrikers aus Celle, Ernst Schulze (1789 – 1817), stammt textlich aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon und erscheint in seiner pulsierend pochenden, leidenschaftlichen Stimmung dem »Erlkönig« verwandt.

Ned Rorem ist einer der wichtigsten Komponisten der USA. Der aus Richmond / Indiana gebürtige Musiker studierte unter anderem in seiner Heimat bei Aaron Copland und in Paris bei Arthur Honegger. Später wurde er selbst zum geachteten Lehrer der Komposition, zuletzt in Philadelphia. Sein reichhaltiges Œuvre beinhaltet Opern, Orchester- und Kammermusik, im Zentrum steht aber Vokalmusik in verschiedenen Besetzungen. Daneben ist Rorem auch als Literat und Musikschriftsteller tätig. Als bekennender Homosexueller, der über dreißig Jahre lang mit dem 1999 verstorbenen Organisten James Holmes in erfüllter Partnerschaft lebte, hatte der sensible Künstler mancherlei Anfeindungen in der puritanischen Gesellschaft der USA zu ertragen. Heute gilt er als größter Liedmeister der amerikanischen Moderne. Seine betont lyrische Musiksprache wurzelt in der Tonalität und zeichnet sich durch persönliche Aneignungen des französischen Impressionismus aus. Die Zwölftonschule und ihre Folgen lehnt Rorem radikal ab. Er selbst dazu: »Boulez hat verkündet: Jeder Musiker, der die Notwendigkeit der seriellen Musiksprache nicht empfindet, ist nutzlos. Lässt man das Wort ‚nicht’ weg, bin ich einverstanden.«

Der Liederzyklus »Aftermath« (Nachwirkungen) ist das Werk eines fast 90-Jährigen und nimmt die alte Form von Beethovens Arrangements kreativ auf. Dem, was Rorem zu seinem Werk schreibt, ist nichts hinzuzufügen: »Nach dem Schock von 9/11 fragte ich, was wohl tausend andere Komponisten gefragt haben: Was ist der Sinn der Musik jetzt? Aber es wurde bald klar, dass Musik das Wesentliche ist. In der Tat wird die Zukunft uns (…) mehr nach unserer Kunst als nach unseren Armeen beurteilen, mehr nach dem Aufbau als nach der Zerstörung. Die Kunst, unabhängig von ihrem Thema oder ihrer Sprache, spiegelt per Definition die Zeit wider. Ein Walzer in einem Moment der Tragödie oder ein Klagelied während des Wohlstands kann erst ein Jahrhundert später in den Fokus rücken. Als ich über diese augenblicklich und für immer veränderte Welt nachdachte – mit den Zwillingstürmen in Trümmern und dem Mittleren Osten in Trauer – musste ich die Auswahl der Texte umsetzen, die für dieses Projekt für das Festival in Ravinia verwendet werden sollten. Eine Woche zuvor hätte ich mich vielleicht für eine ganz andere Variante entschieden. Als Quäker wurde ich zum Glauben erzogen, dass es keine Alternative zum Frieden gibt. Vielleicht ist das falsch, vielleicht richtig, aber ich schäme mich nicht für diesen Glauben. Wie mit dem Krieg, so mit der Liebe. Sieben Jahrzehnte haben mir gezeigt, dass Liebe so viele Definitionen hat, wie es Definitionen gibt. Nachdem ich vor drei Jahren eine große Liebe verloren habe, ist meine Stimmung am Ende meines Lebens eine von fragender Melancholie. Ob sich diese Stimmung in diesen Liedern widerspiegelt, kann ich hier nicht mit Worten sagen. Musik spricht für sich.«

Gottfried Franz Kasparek


Dennis Chmelensky, Bariton

Der Bariton, Geiger und Schauspieler Dennis Chmelensky (*1995 in Berlin) machte bereits als Knabensopran Karriere. Einem breiten Publikum wurde er durch seine Teilnahme an der RTL-Talentshow »Das Supertalent« 2008 bekannt. Von 2006 bis 2012 war er Mitglied im Staats- und…

Pamela Frank, Violine

Die aus New York stammende amerikanische Geigerin Pamela Frank, Absolventin des Curtis Institute of Music 1996, hat sich einen hervorragenden internationalen Ruf erarbeitet. Als Solistin trat sie mit führenden Orchestern auf, darunter das New York Philharmonic Orchestra, das Chicago Symphony…

Chase Park, Violoncello

Der Cellist Chase Park aus Englewood Cliffs / New Jersey studiert seit 2016 am Curtis Institute of Music bei Carter Brey, dem Solocellisten von New York Philharmonic, und bei Peter Wiley, dem früheren Cellisten des Guarneri Quartets. Der junge Musiker…

Mikael Eliasen, Klavier

Der aus Dänemark stammende Pianist und Musikpädagoge Mikael Eliasen hat in Kopenhagen, Montreal und Wien studiert. Er war als erfolgreicher Liedbegleiter mit Sängerinnen und Sängern wie Robert Merrill, Tom Krause, John Shirley-Quirk, Elly Ameling, Edith Mathis, Florence Quivar, Sarah Walker…


 

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